Barbara Heuberger
Migration und Fluchtbewegungen
Barbara heuberger freie journalistin
Beim Thema Migration werden oft nur die problematischen Aspekte diskutiert, nicht selten aufgebauscht oder verzerrt. Manche sprechen von Schwierigkeiten bei der Integration, einige Politiker:innen - meist mit Blick auf Schutz suchende Menschen - gar von einer Invasion oder Überfremdung. Die Art, wie über Asylsuchende oder Geflüchtete debattiert wird, wie zum Beispiel falsch interpretierte Zahlen der Kriminalstatistik ins Feld geführt werden, die konstante Verschärfung der Gesetze und der politischen Praxis zu ihrem Nachteil, sind nichts anderes als ein Krieg gegen die Schwächsten. Offenbar ist es leichter, Asylsuchende zu entrechten, als die drängendsten Probleme dieser Welt zu lösen. Demgegenüber ist ziemlich selten die Rede von Migration als Chance, gar als Gewinn.
In dieser Debatte werden die Menschenrechte, die allen Menschen Rechte und Grundfreiheiten garantieren, komplett ignoriert. Es braucht aber ein faires Verfahren für Asylbewerber:innen: die Kinder- und Menschenrechte müssen bedingungslos in sämtlichen Verfahren geachtet werden. Ausserdem muss man die geflüchteten Menschen arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen. Arbeit gibt den Geflüchteten Selbstwert und Würde. Es geht nicht an, dass man sie wochen-, monate- und manchmal jahrelang nicht arbeiten lässt. Das schadet ihrer Gesundheit und ist eine Verschwendung von Arbeitskraft und Potenzial. Denn: Nichts schadet ihrem Wohl und reduziert ihren wirtschaftlichen Beitrag mehr, als sie durch die Trägheit der Behörden und endlose Verfahren jahrelang in der juristischen Schwebe zu halten. Sie können nicht arbeiten, Trauma und Isolation verstärken sich, und sie hängen am Tropf des Staates, beschreibt Hein de Haas in seinem Buch über Migration die Situation.
Viel geringere Zahlen an Geflüchteten als suggeriert
In der EU leben rund 450 Mio. Bürger:innen, davon waren im Jahre 2024 eine knappe Million Asylbewerber:innen (weniger als die Hälfte erhielten einen Schutzstatus). Von Populisten werden die Asylbewerber:innen fortwährend als Problem beschrieben, obwohl die internationale Migration dauerhaft niedrig und stabil ist. Dennoch beschwören Rechtspopulisten Asylsuchende fortwährend als Problem herauf.
In der Schweiz ist das nicht anders, auch hier sind die Zahlen viel tiefer als suggeriert. In den Medien wird nur von der Anzahl Asylgesuchen gesprochen und nicht davon, dass mehr als die Hälfte davon jeweils abgelehnt oder auf eine ansehnliche Zahl gar nicht eingetreten wird.
Die Hetze gegen Asylsuchende oder Geflüchtete und die damit verbundenen Forderungen und Massnahmen sind nicht nur unsachlich, sondern oft menschenverachtend. Sie entbehren jeder Grundlage und verstossen gegen die Rechte und Würde dieser Menschen in Not und damit gegen die Menschenrechte. Darunter haben auch sehr viele Kinder zu leiden.
Präambel IN der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft :
«Im Bewusstsein (...), dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen» (Stand 3. März 2024).
Fact & Figures:
«Es kommen die Richtigen - Klarstellungen zur aktuellen Schweizer Asylpolitik» von Balthasar Glättli, 2024
Wieviele Menschen sollen in der Schweiz leben? Republik, 2025
«Migration: 22 populäre Mythen und was wirklich dahinter steckt» von Hein de Haas, Fischer Verlag, 2025
«Die Unerwünschten - Flucht Vertreibung und Exil» Edition Le Monde diplomatique 2026
Asyl ist kein Gnadenakt - es ist ein Menschenrecht:
Dossier Asylrecht von humanright.ch
Derzeit arbeite ich mit diversen Fachleuten an einem Buchprojekt über Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien in der Schweiz: Erfahrungen im Asylsystem, woran fehlt es, was konkret muss und kann verbessert werden...
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