Barbara Heuberger
Migration und Menschenrechte
Barbara heuberger freie journalistin
Beim Thema Migration werden oft nur die Probleme gesehen, gar aufgebauscht oder verzerrt. Manche sprechen von Problemen bei der Integration oder - einige Politiker:innen, die sich als Hauptthema in die mögliche Überfremdung verbissen haben - allenfalls von einer Invasion. Und sie machen Flüchtende zu Sündenböcken. Die Art, wie über Aylsuchende oder Geflüchtete debattiert wird und die immer schärferen Gesetze zu ihrem Nachteil, sind nichts anderes als ein Krieg gegen die Schwächsten. Offenbar ist es leichter, Asylsuchende zu entrechten, als die drängendsten Probleme dieser Welt zu lösen. Seltener ist die Rede von Migration als Chance, gar als Gewinn.
In dieser Debatte werden die Menschenrechte komplett ignoriert. Es braucht aber ein faires Verfahren für Asylbewerber:innen: die Kinder- und Menschenrechte müssen bedingungslos in sämtlichen Verfahren geachtet werden. Und man muss sie arbeiten und am Leben teilhaben lassen. Arbeit gibt den Geflüchteten Identität, Würde und Teilhabe. Es geht nicht, dass man sie wochen-, monate- und manchmal jahrelang nicht arbeiten lässt. Das schadet ihrer Gesundheit und ist eine Verschwendung. Denn: Die Allgemeine Erklärung für Menschenrechte garantiert allen Menschen Würde und Freiheit (Art. 1, AEMR).
Viel geringere Zahlen an Geflüchteten als suggeriert
In der EU leben rund 450 Mio. Bürger:innen, davon waren im Jahre 2024 eine knappe Million Asylbewerber:innen (weniger als die Hälfte erhielten einen Schutzstatus). Von Populisten werden die Asylbewerber:innen fortwährend als Problem beschrieben; sie machen aber gerade mal 0,2 Prozent der EU-Bevölkerung aus. Mehr noch: Die internationale Migration ist dauerhaft niedrig und stabil.
In der Schweiz ist das nicht anders, auch hier sind die Zahlen viel tiefer als suggeriert. Zum Beispiel lag die Asylgewährungsquote im Januar 2026 gerade mal bei 19 Prozent. In den Medien wird nur von der Anzahl Asylgesuchen gesprochen und nicht davon, dass mehr als die Hälfte davon jeweils abgelehnt oder auf eine ansehnliche Zahl gar nicht eingetreten wird.
Die Hetze gegen Asylsuchende oder Geflüchtete und die damit verbundenen Forderungen sind nicht nur unsachlich; sie sind oft menschenverachtend und entbehren jeder Grundlage; sehr oft verstossen sie gegen die Würde dieser Menschen in Not und damit gegen die Menschenrechte überhaupt. Darunter haben auch sehr viele Kinder zu leiden.
Fact & Figures:
«Es kommen die Richtigen - Klarstellungen zur aktuellen Schweizer Asylpolitik» von Balthasar Glättli, 2024
Wieviele Menschen sollen in der Schweiz leben? Republik, 2025
«Die Unerwünschten - Flucht Vertreibung und Exil» Edition Le Monde diplomatique 2026
Derzeit arbeite ich mit diversen Fachleuten an einem Buchprojekt über Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien in der Schweiz: Erfahrungen im Asylsystem, woran fehlt es, was konkret muss und kann verbessert werden...
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