Barbara Heuberger
Migration und Fluchtbewegungen
Barbara heuberger freie journalistin
Vom Krieg gegen die Schwächsten
Beim Thema Migration werden oft nur die problematischen Aspekte diskutiert, nicht selten sogar aufgebauscht oder verzerrt. Während manche von Integrationshürden sprechen, nutzen einige Politiker:innen – meist mit Blick auf Schutzsuchende – Begriffe wie «Invasion» oder «Überfremdung». Die Art und Weise, wie über Asylsuchende und Geflüchtete debattiert wird, die selektive oder falsch interpretierte Nutzung von Kriminalstatistiken sowie die konstante Verschärfung von Gesetzen und der politischen Praxis zu ihrem Nachteil: All dies lässt sich nicht anders beschreiben als ein Krieg gegen die Schwächsten. Offenbar fällt es manchen leichter, Asylsuchende zu entrechten, als die drängendsten globalen Probleme anzugehen. Im Gegensatz dazu wird Migration viel zu selten als Chance, gar als Gewinn oder überhaupt als gesellschaftliche Normalität gesehen.
Viel geringere Zahlen an Geflüchteten als suggeriert
Dabei geht es gar nicht um die Zahlen. Der Asylbereich trägt weniger als sieben Prozent zur Nettozuwanderung bei – ein Bruchteil, der die Ressourcen der Schweiz längst nicht überfordert. Selbst wenn die Zahlen höher wären, rechtfertigte das keine menschenverachtende Rhetorik. Das Problem ist nicht die Menge, sondern die Motivation: Es geht um Fremdenfeindlichkeit, politische Opportunität und die Sehnsucht nach einer Schweiz, die es so nie gab. Die idyllische Heimat von einst ist ein Mythos. Die Realität ist pluralistisch, vielfältig und längst von Menschen aus aller Welt geprägt.
Die Hetze gegen Asylsuchende und Geflüchtete sowie die daraus resultierenden Forderungen und Massnahmen sind nicht nur unsachlich, sondern oft menschenverachtend. Sie entbehren jeder realistischen Basis und verletzen die Rechte und die Würde dieser Menschen in Not – und damit fundamentale Menschenrechte. Besonders schwer trifft dies viele Kinder.
Der wahre Mangel liegt nicht in unseren Ressourcen oder Infrastrukturen, sondern in unserem Mitgefühl; Geld und Platz sind da, was fehlt, ist der Wille, sie für die Schwächsten zu nutzen. Und es ist kein Geheimnis, dass zahlreiche private Firmen im Asylsystem hohe Gewinne erzielen – ein Interesse, das viele Widersprüche offenlegt.
Präambel IN der Bundesverfassung :
«Im Bewusstsein (...), dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen» (Stand 3. März 2024).
Fact & Figures:
«Es kommen die Richtigen - Klarstellungen zur aktuellen Schweizer Asylpolitik» von Balthasar Glättli, 2024
Wieviele Menschen sollen in der Schweiz leben? Republik, 2025
«Migration: 22 populäre Mythen und was wirklich dahinter steckt» von Hein de Haas, Fischer Verlag, 2025
«Die Unerwünschten - Flucht Vertreibung und Exil» Edition Le Monde diplomatique 2026
«Migrationsland Schweiz - Mythen, Realitäten und Perspektiven» von Anija Ameti, Lisa Mazzone, Nadja Mosimann, Cédric Wermuth, Passcal Zwicky (Hrsg.), Edition 8 und Denknetz, 2026
Asyl ist kein Gnadenakt - es ist ein Menschenrecht:
Dossier Asylrecht von humanright.ch
Derzeit arbeite ich mit diversen Fachleuten an einem Buchprojekt über Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien in der Schweiz: Erfahrungen im Asylsystem, woran fehlt es, was konkret muss und kann verbessert werden...
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